Seminarmethoden: Auswertung mit dem Stuhl-Feedback
Die Auswertungs-Methode Koffer – Papierkorb – Fragezeichen eignet sich besonders gut, wenn die Zeit knapp ist und nicht durch persönliche Wortmeldungen der TeilnehmerInnen ausgedehnt werden kann.Wenn mehr Zeit vorhanden ist und besonders nach längeren Seminaren bietet sich eine ausführlichere Methode an, die es den TeilnehmerInnen ermöglicht, zu verschiedenen Aspekten des Seminars differenzierter Stellung zu nehmen.
Eine solche ausführliche Auswertungsmethode ist das Stuhl-Feedback.
Hierfür werden fünf Stühle nebeneinander gestellt. Für alle sichtbar wird jeweils eine Frage oder Aussage auf einen Stuhlrücken geklebt. Dafür eignen sich eine Rechteckkarte und Kreppband.
Die Fragen oder Aussagen beziehen sich natürlich auf das Seminar und werden von der Seminarleitung vorher überlegt.
Solche Fragen könnten sein: Wie gefiel dir der Ablauf des Seminars?; Wie fandest du die Gruppe und die Seminarleitung?; Wie gefiel dir das Organisatorische (Haus, Essen, Zeiten, etc.)?; Was nimmst du aus dem Seminar mit?; Welche Bemerkungen, Fragen, Anliegen möchtest du noch loswerden?...
Die Seminarleitung erklärt die Methode und die Fragen, so dass sich die TeilnehmerInnen schon ein paar Gedanken machen können. Dann kann es losgehen. Nach und nach geht einE TeilnehmerIn zur Stuhlreihe, setzt sich nacheinander auf die Stühle und beantwortet die jeweilige Frage. Sinnvoll ist es, wenn pro TeilnehmerIn etwa 3 Minuten pro Stuhl eingeplant werden. Natürlich sollte die Methode freiwillig sein und auch Stühle ausgelassen werden dürfen. Während einE TeilnehmerIn spricht, sollten Zwischenfragen von anderen und der Leitung gemieden werden - lieber Mitschreiben und Rückfragen am Ende stellen.
Während die TeilnehmerInnen sprechen, spielt es keine Rolle, ob einiges doppelt gesagt wird, denn es ist von Bedeutung, dass jedeR TeilnehmerIn die eigene persönliche Wahrnehmung äußern darf. Zusätzlich ist es auch interessant, wie etwas geäußert wird. Sinnvollerweise macht einE FreiwilligeR den Anfang und danach geht es der Reihe nach weiter. Bei einer überschaubaren Gruppe kann auch eine chaotische Reihenfolge passender sein.
Durch die sichtbaren Fragen müssen sich die TeilnehmerInnen nichts merken und der Stuhl bietet gefühlte Sicherheit: erstmal hinsetzen und überlegen. Allerdings sollte sich die Gruppe im Laufe des Seminars gut kennengelernt haben und einigermaßen sicher sein. Deshalb eignet sich diese Feedback-Methode auch eher für den Abschluss längerer Zeiträume (Seminare, Tagungen, Freizeiten).
Für junge Schulklassen mit Tages- oder Nachmittagseinheiten ist diese Methode eher ungeeignet, da Scham eine viel größere Rolle spielt und auch die Zeit meistens nicht vorhanden ist (hier lieber eine anonyme Auswertung).